FRAG DIE PFAHLBAUER*IN

Was wollten Sie schon immer über die Pfahlbauer*in wissen? Hier können Sie Ihre Fragen zur Pfahlbauzeit oder zu Objekten der Ausstellung «Die Pfahlbauer*in» stellen.

 

Die Fragen werden von kompetente*n Archäolog*innen hier auf der Website beantwortet.

 

Bisherige Fragen und Antworten >>

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BISHERIGE FRAGEN

 

Frage von Simon, 17. Oktober 2021:

Wie machte man Birkenpech?

Die Birkenrinde muss unter Luftabschluss stark erhitzt werden. Die Erhitzung lässt den Teer in der Rinde ausschmelzen. Man kann es in einem gut verschlossenen Gefäss machen, doch dann hat man viele Unreinheiten in dem Teer. Alternativ kann es mit zwei Gefässen gemacht werden: Ein flaschenförmiges Gefäss wird mit Birkenrinde vollgestopft und mit der Öffnung nach unten dicht in zweites Gefäss gesteckt, das im Boden eingegraben wurde. Daraufhin wird die Birkenrinde im oberen Gefäss durch ein Feuer erhitzt, worauf der flüssige Teer ausläuft und im unteren Gefäss aufgefangen wird. Es ist wichtig, dass der Prozess unter Luftabschluss geschieht, da die Birkenrinde sonst verbrennt/verkohlt.

Zu modernen Versionen der Birkenteerherstellung gibt es unzählige Youtubetutorials

Wo wurde es überall gebraucht?
Birkenteer Ist ein guter Klebstoff. Wenn man ihn erhitzt, wird er weich und kann gut verarbeitet werden.
Die Verwendung ist vielseitig ob zum Befestigen von Silexklingen in Holzschäftungen, Federn an Pfeilen oder Rindenverzierungen an hübschen Bechern, aber auch zum Kleben oder Abdichten von zerbrochenen Gefässen.
Ein eher ungewöhnlicher Gebrauch war als Kaugummi. Ob zur Linderung von Zahnweh oder als Vorbereitung der Verarbeitung wissen wir nicht. Achtung! Bitte nicht ausprobieren: Birkenteer ist krebserregend!

Frage von ??, 17. Oktober 2021:

Wie alt wurde eine Pfahlbauer:in im Durchschnitt?
Zur Beantwortung dieser Frage müssen einige Grundlagen geklärt werden:

  • Wichtig: Der Altersdurchschnitt entspricht nicht dem Alter das eine Person erreichen kann!!

  • Zudem fehlen für die Pfahlbausiedlungen Gräber und damit die Toten. Die Aussagen basieren also auf einer recht mageren Grundlag. Entweder haben die Gräber die Zeit nicht überdauert oder wurden von uns nicht gefunden/ungesehen zerstört. Wir erklären also die Vergangenheit mir einem kleinen Einblick, der sich vor allem auf andere Regionen in Europa abstützt, wo eben Gräber erhalten sind.

  • Oft haben wir nur einzelne Knochen oder Knochenstücke, was die Altersbestimmung noch schwieriger macht: Meist werden die Alter mit Kind, junge Erwachsene, Erwachsene und Alte angegeben. Dies muss aber nicht zwingend dem wirklichen Bild entsprechen, da auch der Lebensstil für die Abnutzung und Veränderung der Knochen und Zähne eine Rolle spielt.


Nun zur Antwort: Im Durchschnitt so 20 -30 Jahre aber das Maximalalter lag bei über 70 Jahren

Wobei die das Durchschnittsalter der Frauen - viele starben im Kindbett - tiefer als das der Männer war.

Die Meisten starben bei der Geburt oder als Baby, davon starb sicher nochmals die Hälfte vor dem Erwachsenwerden. Bei den Frauen starb dann noch ein grosser Anteil bei der Geburt der Kinder. Die Haupttodesursache ist auf Infektionen zurückzuführen. Wenn man aber all dies überlebt hatte konnte man gut und gerne 75 Jahre alt werden.

 

Frage von Karin, 31. August 2021:

Wie wurden die grossen Pfähle (der Pfahlbauten) in den Boden gerammt?
Im weichen Seeboden ist es ausreichend, den angespitzten Pfahl mit einem oder zwei Seilen oder einem Querholz am Kopfende zu versehen und ihn senkrecht aufzustellen. Durch das Eigengewicht, das Rütteln und drehen von zwei bis drei Personen, senkt sich der Pfahl ohne grosses Zutun 0,5 bis 2,0 m in den Boden und saugt sich im Sediment fest. Diese Baumethode wurde beim neuen spätbronzezeitlichen Pfahlbauhaus in Seengen am Hallwilersee wie auch beim Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen mehrfach getestet.
 

Frage von Heinz, 20. Juli 2021:

Wie lange dauert eine Bohrung mit einem Holunderstab für eine Lochaxt (ca 5.cm)?
Bei der Bohrung mit einem Holunderstab werden Wasser und Sand als Schleifmittel genommen. Der Holunderstab wird immer auf derselben Stelle gedreht. Der Fortschritt der Bohrung ist massgeblich von der Körnung und Härte des Sandes sowie vom verwendeten Gestein abhängig. Versuche mit Serpentinit zeigen, dass 4 mm/Stunde möglich sind. Entsprechend bräuchte man für 5 cm gut 12 Stunden. Wie gesagt, variiert dieser Wert nach Gesteinsart, Schleifmittel und Geschicklichkeit des Handwerkers oder der Handwerkerin erheblich.
 

Frage von Eileen, 22. April 2021:

Was ist passiert, wenn ein Pfahlbauerhaus zusammen gebrochen ist? 

Es kommt darauf an in welchem Zusammenhang:

  • Wenn ein Pfahlbauhaus abgebrannt ist, so ist alles verkohlt und heruntergefallen. Die Leute rannten hinaus und nahmen mit was sie konnten. Aber weil solche Häuser schnell brennen, konnten sie nicht viel retten. Alles blieb wo es war verholte und fiel mit den Balken herunter.

  • Wenn aber die Leute an einen anderen Ort zogen, so nahmen sie alles mit was noch ganz und brauchbar war. Mit der Zeit wurde das Haus unstabil, das Dach ging kaputt, die Balken wurden morsch und irgendwann fiel das Haus zusammen.

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Frage von Fred, 27. Mai 2021:

Weiss man: Wieviele Leute in einem mittleren Dorf lebten? ob sie alle aus der gleichen Familie oder aus mehreren stammten? Wie alt die älteste bisher gefundene Person war? Wo wurde sie gefunden? 

Für die Pfahlbauzeit haben wir eine sensationelle Fundlage was die Siedlungen betrifft, aber uns fehlen die Toten weitgehend. In den Seeufersiedlungen finden wir nur wenige Menschenknochen und zeitgleiche Gräber sind nur wenige bekannt. Wenn man die Anzahl an Toten auf die Zeit Dauer aufrechnet, kommt man für die Jungsteinzeit in der Schweiz auf ungefähr einen Toten pro Jahr, was natürlich viel zu wenig ist. (Alle genannten Zahlen stammen alle aus dem SPM II Neolithikum, Verlag Schweizerische Gesellschaft für Ur und Frühgeschichte Basel, 1995, ISBN 3-908006-51-1).


Wieviele Leute in einem mittleren Dorf lebten?
Üblicherweise werden für ein Gebäude fünf Bewohner*innen geschätzt. Dieser Wert ist aber nur eine sehr grobe Schätzung, da je nach Fundstelle unterschiedliche Bauweisen und Hausgrössen gefunden wurden. Es gibt Siedlungen, die bestehen aus Einzelhäusern, andere Dörfer aus mehreren Dutzend gleichzeitigen Bauten. Eine Siedlung dürfte also zwischen fünf bis ein paar hundert Bewohner*innen beherbergt haben. 
 

ob sie alle aus der gleichen Familie oder aus mehreren stammten?
Gegenfrage: Meinen Sie Familie im genetischen oder im soziologischen Sinne?
Es ist höchst fraglich, ob die Pfahlbauer*innen dieselben Vorstellungen wie wir hatten, was überhaupt eine Familie ist. «Familie» kommt aus dem Lateinischen. In der römischen Antike bezeichnete sie einen Grosshaushalt, dem auch alle Sklaven angehörten. In einem römischen Gutshof können so mehrere Dutzend Menschen eine «Familie» gebildet haben. Noch im 19. Jh. gehörten bei uns Mägde und Knechte zu einem einzigen Bauernhaushalt. In ethnographische Untersuchungen an verschiedenen Orten wurden unterschiedliche Modelle angetroffen (mehrere Frauen und ein Mann, mehrere Männer und eine Frau, Gleichgeschlechtliche (un-binäre oder solche wo das biologische Geschlecht nicht mit dem sozialen Geschlecht übereinstimmen muss) oder wechselnde Partnerschaften.
Ein weiteres Indiz sind die Topfgrössen: Ein Horgener Kochtopf zum Beispiel kann bis 15l fassen! Genug um deutlich mehr als eine Kleinfamilie mit 4-6 Personen zu ernähren. Bei einer hochgerechneten Siedlungsgrösse von hundert Einwohner*innen wohnten sicherlich mehrere «Familien» - was eben immer eine Familie in dieser Zeit war - in einem Dorf.


Wie alt die älteste bisher gefundene Person war? Wo wurde sie gefunden?
Das Durchschnittsalter bewegte sich bei ca. 20-25 Jahren, da viele Kinder starben. Die Lebenserwartung der Frauen war durch den Tod im Kindsbett tiefer als die der Männer. Wenn die Menschen die Kindheit überlebt hatten (und bei der Geburt nicht starben) konnten sie durchaus über 70 Jahre alt werden. In der Bronzezeit werden etwas höhere Lebenserwartungen angegeben (SPM III Bronzezeit, Verlag Schweizerische Gesellschaft für Ur und Frühgeschichte Basel, 1998), Ob dies Zufall ist oder durch die dürftige Fundlage bedingt, ist schwierig abzuschätzen.
Für die Pfahlbauten im speziellen ist diese Frage noch schwieriger zu beantworten, da es sich überwiegend um einzelne Knochen handelt. Das Alter lässt sich aufgrund einzelner Knochen nur äusserst grob schätzen. Zudem wurden die wenigen Menschenknochen aus Pfahlbausiedlungen nie vollumfänglich ausgewertet. Die oder den ältest*en Pfahlbauer*in zu eruieren ist deshalb ein eher aussichtsloses Unterfangen.
 

Frage von Lysandro, 22. April 2021:

Wenn heute die Bronzegegenstände rosten und geschützt werden müssen, so haben sie früher auch gerostet und es entstand Schaden. Sie sehen aber immer noch gut aus und warum?

Wir finden nur ganz wenige der damals angefertigten Gegenstände. Deshalb geben wir uns grösste Mühe bei der Aufbewahrung der wenigen verbliebenen Fundgegenstände geben, um sie für die Nachwelt zu erhalten.
Die Ganzen bronzenen Gegenstände waren mal Goldglänzend, heute sind sie grünlich matt. Die archäologischen Funde wurden geputzt und restauriert. Heute liegen sie in einer Klimavitrine die immer eine konstante Feuchtigkeit hat (immer trocken) damit der weitere Zerfall verlangsamt ist. Die Gegenstände gehen also noch immer gaanz langsam weiter kaputt. Wenn sie nicht in der Ausstellung sind, so werden die Gegenstände sogar in einem Kühlraum aufbewahrt der immer dieselbe Temperatur hat.
Nur noch eine kleine Bemerkung: Bronze patiniert und korrodiert (zerfällt), aber sie rostet nicht, dies macht nur Eisen. Rost frisst die Eisengegenstände richtiggehend auf. Bronze zerfällt viel langsamer als Eisen. 

Frage von Christian, 11. April 2021:

Gibt es in Zürich im Zürcher Oberland Hühnergräber?

Da Hühner erst in der Eisenzeit also zur Zeit von Asterix in unsere Regionen kamen, ist das Vorhandensein von Hühnergräbern eher unwahrscheinlich. Zudem wissen wir sehr wenig über prähistorische Begräbnisse von Tieren.

Nein im Ernst: Im Kanton Zürich gibt es ausser ein paar kleinen Steinkistengräbern keine bekannten Megalithen.

Frage von Christian, 30. März 2021:

Wie waren die Pfahlbauer*innen gekleidet?

Glücksfälle wie Ötzi (die Eismumie vom Tjsenjoch), Schnidi (Ausrüstungsgegenstände auf dem Schnidejoch) oder bronzezeitliche Eichensärge aus Dänemark mit Kleidungsresten geben punktuelle Einblicke. Grundsätzlich trugen die Leute Kleider aus Gewobenen, geflochtenen und gezwirnten Pflanzenfasern, Leder, Fell und ab der Bronzezeit also, etwa ab 1500 v. Chr auch aus Wolle. Aus den Pfahlbauten haben wir einzelne Kleidungsstücke wie Schuhe, Umhänge oder Hüte. Ansonsten haben wir nur kleine Gewebestücke.

Das Aussehen der Kleidung und vor allem der Leute bleibt in grossen Teilen spekulativ. Waren sie tätowiert, geschminkt oder anders geschmückt? Vieles wird wohl immer im Dunkeln bleiben.

Auf dem Bild sind Kleiderkombis abgebildet, die wir für die Ausstellung anfertigen liessen. Dieselben Kleider können an speziellen Anlässen vom Publikum getragen werden. Hier ist jedes Kleidungsstück ausser dem Schnitt des Leinenhemdes der rechten Person archäologisch bezeugt. Aber aus ganz unterschiedlichen Ecken aus Europa.

Frage von Christian, 30. März 2021:

Hatten sie Pferde?

Pferde als Jagdbeute waren schon lange bekannt. Domestiziert und zum Reiten genutzt wurde das Pferd aber erst ab dem Ende der Jungsteinzeit. Reiten konnten also erst die späten Pfahlbauer*innen und auch dann konnten es sich vermutlich  nur wenige leisten.

Frage von Kathrin, 17. Februar 2021:

Konnten Pfahlbauer*innen schwimmen?

Das ist eine gute Frage und würde uns auch wundernehmen. Wir können lediglich mutmassen und ethnographische Vergleiche anstellen, aber sicher wissen wir es nicht. In Anbetracht dessen, dass die Pfahlbauten am Wasser unterwegs waren, ist es gut vorstellbar, dass sie schwimmen konnten. Die Leute haben Tiere beobachtet und Landtiere können oft schwimmen. Sicher kein Crawl, aber zumindest einige konnten vermutlich schwimmen.

Weit entfernt und etwas vor den Pfahlbauer*innen gab es Menschen, die schwimmen und ausgezeichnet tauchen konnten, wie die häufigen Funde von Spondilusmuschelschmuck in Gräbern der Bandkeramik zeigen. Die Spondilusmuschel lebt im Meer in einer Tiefe von 2-10m wo sie hochgetaucht werden musste. Wenn die Leute am Schwarzen Meer tauchen konnten, weshalb sollten die Leute am See nicht schwimmen können?